Im Oktober 2018 ging es los. Kick-Off zum Bachelorprojekt 2018/19 als Auskopplung aus dem Projekt HPI Schul-Cloud. Unter der Überschrift "HPI Schul-Cloud auf dem Weg zu digitalen Lehrmaterialien" haben wir uns das letzte Jahr über mit dem Lern-Store beschäftigt. Über diesen sollen innerhalb der HPI Schul-Cloud digitale Medien angeboten werden, die nicht nur aus kostenlosen Quellen, sondern auch von kommerziell tätigen Anbietern (z.B. Schulbuch-Verlage) stammen können[1]. Dabei haben wir das Problem auf mehrere Teilprobleme aufgeteilt und unsere Arbeit auf diese konzentriert, um dem Lern-Store den Weg zu bereiten.

  • Wie kommen Inhalte in den Lern-Store?
  • Welchen Schutz vor Urheberrechtsverletzungen können wir Urhebern anbieten?
  • Wie können Rechte wie Zugriffs- und Bearbeitungsrechte in einem interoperablen Format verwaltet werden?

Im Folgenden wollen wir jeweils einen kleinen Überblick geben, worum es dabei im einzelnen geht.

Wie kommen Inhalte in den Lern-Store?

Damit ein solcher Lern-Store Realität werden kann, muss es eine Schnittstelle geben, über welche Inhalteanbieter ihre Bildungsinhalte einpflegen können. Eben diese haben wir im Rahmen des Bachelorprojektes entwickelt. Dazu haben wir zunächst erforscht, welche Anforderungen die einzelnen Inhalteanbieter an eine solche Plattform haben. Dabei stellte sich heraus, dass diese je nach Größe verschiedene Schnittstellen benötigen. Während große Verlage ihre Inhalte gern schnell und automatisiert einpflegen und synchronisieren wollen, ist es insbesondere kleineren Anbietern wichtig, die Daten auch nach dem initialen Einpflegen händisch anpassen zu können. Daher entwickelten wir Tools zum Importieren von bestehenden Inhalten, zum Bereitstellen von Lerninhalte über die Schul-Cloud und zur nachträglichen Massenbearbeitung dieser Inhalte.

Welcher Schutz vor Urheberrechtsverletzungen ist denkbar?

Für viele Inhalteanbieter war es wichtig sicherzustellen, dass die von ihnen bereitgestellten Inhalte nicht außerhalb der HPI Schul-Cloud weiterverbreitet werden können. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns im diesjährigen Bachelorprojekt nicht nur mit der Bereitstellung der Lerninhalte, sondern zusätzlich auch mit der Absicherung selbiger vor unerwünschter Verbreitung. Dabei verwendeten wir, soweit es uns möglich war, bereits existierende DRM Standards. Diese DRM Schutzmechanismen werden nun auf Wunsch automatisiert und auf die durch den Inhalteanbieter bereitgestellten Lerninhalte angewendet. Dies sorgt dafür, dass die für die HPI Schul-Cloud gedachten Inhalte in dieser bleiben.

Wie können Rechte verwaltet oder überhaupt erfasst werden?

Wir haben uns zunächst verschiedene Standards, um Lizenzen maschinenlesbar darzustellen, angeschaut. Die HPI Schul-Cloud erforderte einen offenen und frei zugänglichen Standard für maschinenlesbare Lizenzformulierungen, welcher zudem bereits ein Vokabular zur Beschreibung von Bedingungen für Creative Commons Lizenzen enthält. Die Open Digital Rights Language (ODRL) erfüllt die geforderten Kriterien und wurde daher von uns für die Implementierung ausgewählt.

Nun da ein Format gefunden war, ist nur noch die Frage, was jetzt in dem Format aufgezeichnet werden soll, bzw. wo die Informationen herkommen. Die kommen natürlich von den Urhebern oder Inhalte-Anbietern (Lizenzhändler), die ja genau wissen, zu welchen Konditionen sie die Medien anbieten wollen oder dürfen. Problematisch ist daran insbesondere, dass Lizenzregeln häufig im juristischen Fließtext vorliegen und nicht automatisch in ein maschinenlesbares Format überführt werden können. Dazu braucht es einen Menschen, der sich der Aufgabe annimmt. Um die Bewältigung dieser Aufgabe zu erleichtern haben wir einen Editor programmiert, in welchem die maschinenlesbare Lizenz "per Klick" erstellt werden kann. Dabei handelt es sich um eine graphische Benutzeroberfläche, die an das Format angelehnt ist und es ordentlich erzeugt, während der Nutzer lediglich die Informationen der Lizenz einträgt. Insbesondere wird so das Wissen um das zugrundeliegende Format überflüssig. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, die Bedienbarkeit der graphischen Benutzeroberfläche sicherzustellen. Dazu implementierten wir Best Practices modernen UI-Designs und nutzten User Tests.

Somit haben wir mehrere mögliche Probleme eines Lern-Stores analysiert und entsprechende Problemlösungen entwickelt, um den Weg für einen Lern-Store mit Rechteverwaltung zu glätten.


[1] Derzeitige Inhalte im Lern-Store, die von kommerziellen Anbietern stammen, wurden unseren Pilotschulen für die Projektlaufzeit kostenfrei zur Verfügung gestellt.  

Hinweise der Redaktion
Titelbildnachweis: HPI/K. Herschelmann
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