Digitale Bildung – Positionen der politischen Parteien

Die Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD sind beendet, ein Koalitionsvertrag liegt vor, ist aber in den Details noch nicht veröffentlicht. Die Parteien haben sich darauf geeinigt, das Kooperationsverbot zu lockern und fünf Milliarden Euro für den "Digitalpakt" bereit zu stellen.

Dennoch ist die Regierungsbildung noch immer nicht abgeschlossen, denn die SPD-Mitglieder müssen dem Vertrag noch zustimmen. Es ist also nicht sicher, ob es tatsächlich zu einer Großen Koalition kommen wird. Somit ist auch beim Thema Digitale Bildung die zukünftige Ausprägung noch nicht fest umrissen.

In ihren Programmen zur Bundestagswahl im September 2017 haben sich die politischen Parteien zur digitalen Bildung geäußert – in unterschiedlicher Ausführlichkeit und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dieser Beitrag möchte einen Überblick über die Positionen in den Wahlprogrammen geben.

CDU:

Laut CDU-Programm braucht es eine „Digitale Bildungsoffensive“ mit Maßnahmen für Schüler*, Studierende, Auszubildende, Lehrkräfte und Arbeitnehmer – Stichwort „lebenslanges Lernen“. Schulen und Hochschulen sollen sowohl die erforderliche technische Ausstattung als auch Zugang zum schnellen Internet erhalten.
Eine innovative Bildungscloud wird von der CDU unterstützt, zusätzlich sollen durch Weiterbildung von ausreichend Lehrerinnen und Lehrer die digitalen Kompetenzen der Schüler möglichst umfassend gefördert werden.

SPD:

Die SPD möchte neue Bildungsstandards für alle Bildungsbereiche und Schulstufen entwickeln um dadurch Kompetenzen in Umgang und Nutzung digitaler Medien zu fördern. Erklärtes Ziel ist die digitale Selbstbestimmung, die Menschen aller Generationen betrifft.
Damit Bund und Länder gemeinsam für die notwendige technische Ausstattung der Schulen sorgen, soll das Kooperationsverbot (zwischen Bund und Ländern) aufgebrochen werden.
Digitale Lernmaterialien sollen über vernetzte Lernplattformen als offene Bildungsinhalte angeboten werden.

FDP:

Recht ausführlich und konkret wird die FDP, die pro Schüler einmalig 1.000 Euro in Technik und Modernisierung investieren will. Durch einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern soll der Ausbau der digitalen Infrastruktur geregelt werden; digitale Bildung soll fester Bestandteil der Lehrerausbildung werden.
Besonderes Augenmerk richtet die FDP auf die Medienkompetenz, die auch das Verständnis der technischen Funktionsweisen beinhaltet – die Schüler sollen also nicht nur nutzen sondern auch verstehen.
Lebenslanges Lernen ist ebenfalls ein wichtiges Stichwort, hier sollen analoge und digitale Lernmethoden nach individuellen Bedürfnissen kombiniert werden. Ein Baustein dafür sind innovative Bildungsplattformen, die für jeden Bürger zugänglich sein sollen. Konkret werden im Wahlprogram MOOCs genannt – „Massive Open Online Courses“, die die Bildungsinhalte online zur Verfügung stellen sollen.

Bündnis 90/Die Grünen:

Digitale Kompetenzen und digitale Mündigkeit stehen für die Grünen im Mittelpunkt, das Erlangen dieser wird als Herausforderung für das Bildungssystem gewertet.
Alle Schüler sollen fit im Programmieren werden und einen kritischen Umgang mit digitalen Prozessen erlernen, dies soll im Regelunterricht geschehen. Dafür sollen Basiskompetenzen in den Bereichen Informatik und Medienanwendung länderübergreifend verbindliche Bausteine der naturwissenschaftlichen Bildung werden.
Um diese Aufgaben umzusetzen fordern die Grünen die Aufhebung des Kooperationsverbotes.

Die Linke:

Auch für die Linke sind Medienkompetenz und technische Kenntnisse zentrale Punkte, diese seien zwangsläufig mit Bildung verbunden. Neben dem Ausbau der technischen Ausstattung sollen Lehrer dazu aus- und fortgebildet werden.
Zugang zur Bildung soll für alle möglich sein, deshalb fordert die Linke digitale Endgeräte für alle Schüler (eigene Anschaffung bzw. kostenlose Leihgeräte für bedürftige Schüler). Die eingesetzte Software soll Freie Software sein, um private kommerzielle Anbieter außen vor zu lassen.
Für die Schulen hält die Linke IT-Fachkräfte für notwendig, die die technische Infrastruktur auf eigens eingerichteten Planstellen betreuen. Diese Infrastruktur soll aus schnellen Breitbandanschlüssen und einer zeitgemäßen Hard- und Softwareausstattung bestehen.
Auch die Linke ist für eine Abschaffung des Kooperationsverbotes.

Fazit

Alle hier genannten Parteien sehen in der Weiterentwicklung der digitalen Bildung eine wichtige Aufgabe. Zentrale Forderungen sind der Ausbau der Infrastruktur, Förderung der Medienkompetenz und eine entsprechende Ausbildung der Lehrer.
Es bleibt abzuwarten, was die zukünftige Bundesregierung tatsächlich umsetzen wird und wessen Akzente in der zukünftigen Ausprägung der Digitalen Bildung zu erkennen sein werden.

*Ein sprachlicher Hinweis der Redaktion: Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint; aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird an dieser Stelle nur die männliche Form verwendet.

Autorin: Nicole Klän
Bildnachweis Blogfoto: HPI/O.Puck

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