Schon seit Projektbeginn wird das Projekt HPI Schul-Cloud im Rahmen der bildungswissenschaftlichen Begleitforschung von verschiedenen Universitäten und Instituten begleitet. Seit Projektbeginn 2017 ist Dr. Annekatrin Bock dabei und hat nun die dritte Begleitforschung des Georg-Eckert (GEI) abgeschlossen.[1]

Was wurde untersucht?

Als Desiderat vorangeganger Untersuchungen wurde festgestellt, dass es mehr Implementierungsforschung im Feld Cloud-Lösungen für Schule und Unterricht benötigt, die Schulen in ihrer Unterschiedlichkeit adressieren und vor Ort beim Ausprobieren und Nutzen der Cloud unterstützt.

Das Georg-Eckert-Institut hat daher folgendes untersucht: Zum einen wurden Faktoren, die die Einführung von Cloud-Lösungen in Schulen hemmen oder befördern mittels Unterrichtsbeobachtungen und Gesprächen in den Blick genommen, zum anderen wurden auf den Ergebnissen aufbauend Workshops durchgeführt, die Lehrer:innen in ihrer Bedarfssituation abholten und bei der Einführung und Nutzung der HPI Schul-Cloud unterstützten. Konkret wurden in den Workshops die Best-Practice-Beispiele aus der vorangegangenen Begleitforschung des GEI vorgestellt. Ziel war es, eigene Erfahrungen der Lehrer:innen zu reflektieren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.

Methodisches Vorgehen

Der Umsetzung der Workshops ging selbstverständlich die Konzeption der Workshop-Konzepte hervor. Aufgrund der hohen Interessierten-Zahlen an der Teilnahme der Workshops wurden Schulen innerhalb einer Region oder eines Bundeslandes zusammengefasst, sodass die Schulen auch voneinander lernen konnten. Insgesamt wurden 12 Workshops durchgeführt, die ca. 60 interessierte Schulen mit je 1-4 Lehrenden pro Schule ansprachen.

Die Workshopdokumentation lieferte die Grundlagen für die Erstellung eines Wegweisers, der verschiedene Anwendungsszenarien für verschiedene Nutzungstypen bereit hält und den Einstieg in das Projekt und die Nutzung der HPI Schul-Cloud unterstützt.

Erkenntnisse

  1. Die teilnehmenden MINT-EC-Schulen unterscheiden sich stark im Einsatz digitaler Bildungsmedien im Schulalltag und Unterricht. Eine wichtige Rolle spielt hierbei natürlich die Ausstattung der IT-Infrastruktur, welche stark variiert.
  2. Hinzu kommt, dass sich die Schulen auch sehr im Hinblick auf das Medienkonzept unterscheiden. Ob das WLAN dauerhaft für die Schüler:innen offen ist, ob Bring Your Own Device oder schuleigene Geräte genutzt werden und weitere Punkte beeinflussen stark das Medienhandeln an Schulen.
  3. Auch die Verantwortlichkeiten vor Ort unterscheiden sich. In vielen Schulen gibt es mindestens eine Person, die für die Einführung digitaler Medien verantwortlich ist, oftmals arbeiten die Verantwortlichen in Teams zusammen. Die Größe kann aber unterschiedlich stark sein - von 2 bis 15 Personen.

Die Auswertung der gesammelten Daten erlaubt das Clustern in drei Typen:

  1. "In den vorsichtig-digitalen Schulen, deren IT-Infrastruktur und Ausstattung im Vergleich zu den folgenden Typen weniger gut ist, findet Unterricht mit digitalen Medien meist separat von ‚analogem‘ Unterricht, im Computerraum statt. Wenn die Schul-Cloud eingesetzt wird, dann gibt es kurzfristige BYOD-Lösungen oder die Schülerinnen und Schüler wechseln im Klassenverband in den Computerraum, um dort stundenweise an einem bestimmten Thema zu arbeiten. An diesen Schulen ist die Gruppe von Lehrenden, die digitale Medien im Unterricht einsetzt eher klein. Diese Schulen arbeiten aktuell tendenziell eher mit Unterrichtszenarien, bei denen die Schul-Cloud „Analoges“ ersetzt, wie im SAMR-Model unter Stufe 1, evtl. auch 2 beschrieben.
  2. Die begeistert-digitalen Schulen, deren Ausstattung im Vergleich zu anderen Schulen in ihrem Umfeld relativ gut ist, verfügen über ausreichend Endgeräte, um mit der Cloud im Klassenverband arbeiten zu können. Diese Schulen haben jedoch in der Regel nicht die Ressourcen um flächendecken eins-zu-eins-Ausstattung mit Ausgabegeräten sicherzustellen. Diese Schulen testen beispielsweise gegenwärtig in Pilotklassen die Einführung von Tablets oder BYOD-Konzepten und suchen noch für sich nach einem gefestigten Medienkonzept und konkreten Weg, um Digitalisierung in der Schule mit Leben zu füllen. Diese Schulen probieren mehrere IT-Lösungen im weiteren Sinne (Clouds, schuleigene/selbstgebaute oder externe Serverlösungen; Repositorien) aus und testen Schritt für Schritt – unter Umständen auch gegen die Widerstände im Kollegium – wie es weiter gehen kann. In diesen Schulen werden Unterrichtszenarien verwendet, die im SAMR-Modell der Stufe 1 und 2, evtl. 3 entsprechen.
  3. In den post-digitalen Schulen, deren IT-Ausstattung und Betreuung sehr zufriedenstellend für die Lehrenden ist, können sich die Lehrkräfte in der Regel auf die Infrastruktur verlassen und sich ausschließlich auf die Vermittlung des Unterrichts mit digitalen Medien konzentrieren. Das Medienkonzept sieht einen emanzipierten, eigenverantwortlichen und kritisch-reflektierenden Umgang aller Nutzungsgruppen vor und erlaubt individuelle BYOD-Konzepte, die mit schuleigenen Geräten problemlos abgesichert werden. Das Kollegium dieser Schulen ist der Einführung digitaler Medien in den Unterricht und Schulkontext gegenüber für gewöhnlich aufgeschlossen. Hier wird nicht die Frage, ob oder wie mit digitalen Medien zu arbeiten sei diskutiert, sondern digitale Medien und Cloud-Lösungen sind selbstverständlicher Bestandteil des Schul- und Unterrichtsgeschehens. In diesen Schulen werden teilweise innovative (u.a. SAMR- Modell Stufe 3 und 4) Unterrichtsszenarien mit der Schul-Cloud umgesetzt." (Zit. Bock, 2019, Abschlussbericht Schools in the Cloud", GEI)

Wie profitieren unsere Nutzer:innen von den Ergebnissen?

Die Ergebnisse der Begleitforschung bilden die inhaltliche Grundlage für den Ausbau des Hilfebereichs der HPI Schul-Cloud. Aufbauend auf dem Input entwirft Florian Sittig (HPI) gemeinsam mit Dr. Annekatrin Bock Tableaus zu den Schultypen bzw. Anwendungsszenarien. Somit sind die Ergebnisse visuell und praktisch aufbereitet direkt in der HPI Schul-Cloud zu finden.

Fußnoten:

[1] Alle Informationen sind aus dem "Abschlussbericht - Schools in the Cloud" entnommen, der von Dr. Annektrin Bock (GEI) angefertigt wurde.

Hinweise der Redaktion
Titelbildnachweis: HPI/K. Herschelmann