Welche Rolle kann so eine Cloud-Infrastruktur eigentlich für den Unterricht spielen? Wie reihen sich die digitalen Medien in neue und gängige Unterrichtsmethoden ein? Und wer erklärt den Lehrkräften das alles? Wir starten einen Versuch.

Das HPI Schul-Cloud Team steht nun schon seit mehr als 3 Jahren im Austausch und engen Kontakt mit Schulen und ihren Akteuren. Bei der Forschung und Entwicklung unserer Plattform ging es immer darum, Schulen zu helfen und ihnen mit einer Cloud-Infrastruktur neue Unterrichtsmethoden zu ermöglichen. Das Problem dabei: Nur weil etwas möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch umgesetzt wird! Aber man kann es den Lehrkräften auch nicht verdenken. Natürlich wissen sie nicht, inwieweit ihnen das Internet nun dabei helfen soll, den allseits von ihnen geforderten digitalen Unterricht zu gestalten. Wie denn auch? Die Universitäten fangen gerade erst an, ihre Lehrpläne aufzufrischen, die Ausbilder:innen im Referendariat haben zu wenig Einfluss, die Schulen setzen auf interne und externe Fortbildungen und auf diejenigen, die aus den eigenen Reihen freiwillig voranschreiten, neue Wege gehen und ihre Erfahrungen teilen.

Mut und Kommunikation als wesentliche Erfolgsfaktoren

Auch wir werden oft gefragt, ob wir bei der Einführung der HPI Schul-Cloud nicht auch Fortbildungen anbieten. Für uns ist das problematisch, da wir oft nicht die zeitlichen und personellen Ressourcen haben, um an jede Schule zu fahren. Aus der Not heraus haben wir überlegt, wie wir - zumindest grundlegend - unseren Nutzer:innen helfen können und haben eine Online-Fortbildung geschaffen. Dafür haben wir die seit vielen Jahren bewährte HPI-Fortbildungsplattform mooc.house genutzt.

Die Online-Fortbildung wurde von den Nutzer:innen gut angenommen und viele Schulleiter:innen gingen sogar dazu über, diese verpflichtend für alle Lehrkräfte zu machen, da hier viele Grundlagen geschaffen werden und so unnötige Schwierigkeiten vermieden werden können. Auch das Diskussionsforum wurde für ausstehende Fragen und Anmerkungen genutzt und ermöglicht uns fortlaufend einen Einblick in die Herausforderungen der vielseitigen Umsetzungsschritte.

Diskussionsforum

Nachdem die Fortbildung eine Weile lief, sprachen wir die Lehrkräfte persönlich auf die Vor- und Nachteile des Online-Formats an. Als besonders vorteilhaft wurden uns der individuelle Zugang und die zeitliche Unabhängigkeit genannt. Auch dass niemand quer durchs Land fahren muss, um sich eine (hoffentlich) gute Fortbildung anzuschauen, wurde als Pluspunkt gesehen - so können weniger relevante Bereiche übersprungen und wesentliche oder komplexere Inhalte nach eigenem Tempo intensiver betrachtet werden.

Aber es gibt auch Nachteile zu verzeichnen. Die Teilnehmer:innen gaben hierzu an, dass ihnen die soziale Komponente des persönlichen Austauschs mit der Lehrperson und der Unterhaltung mit anderen Teilnehmer:innen noch zu kurz kommt. Andere Teilnehmer:innen meinten, die Inhalte seien auf ihren konkreten Fall nur schwer anwendbar und wünschten sich eine individuelle Zuschneidung der Themen. All dies sind Anforderungen, mit denen Online-Fortbildungen noch wachsen müssen.

Persönlicher und direkter Austausch als wichtiger Bestandteil von Fortbildungen

Was hat sich aber nun für uns durch das Online-Format geändert? Wir haben endlich die Möglichkeit, sehr viel intensivere Workshops und Einführungen an den Schulen durchzuführen. Wie machen wir das? Wir nutzen das Online-Angebot als Grundlage für jegliche weitere Fortbildung und Präsenzveranstaltung an den Schulen. Dadurch, dass jede Lehrkraft sich zuvor selbstständig mit der allgemeinen Bedienung und den administrativen Aufgaben beschäftigt, haben wir in den Folgeveranstaltungen vor Ort die Möglichkeit, uns ganz intensiv und kollaborativ mit einer ganz zentralen Frage zu beschäftigen: Wie kann guter Unterricht mit der HPI Schul-Cloud aussehen?

"Guter Unterricht" muss immer individuell entwickelt werden - sowohl online als auch offline!

Die Antwort auf diese Frage muss letztendlich jede Lehrkraft selbst finden. Schließlich gibt es keinen Königsweg, keine perfekte Lösung, die an jeder Schule und in jeder Klasse gleich gut funktioniert. Es muss weiterhin Aufgabe unserer Lehrkräfte sein, einen für sie funktionierenden Weg zu finden, der ihre individuelle Situation, ihre Stärken und auch Schwächen berücksichtigt - mit oder ohne Cloud.

Zentrale Lehrkräftefortbildungen zukünftig auf Lernen.cloud

Aus unseren Erfahrungen mit Schulen und Lehrkräften sehen wir die Notwendigkeit einer zentralen Plattform für Lehrkräftefortbildungen. Aktuell verstecken sich diese noch abgeschirmt in den Fortbildungskatalogen der einzelnen Landesinstitute oder fliegen selbstorganisiert als Links via Mail, Whatsapp oder Twitter durch das Internet.

Die Vision: Eine Plattform für alle.

Nun möchten wir das ganze auf die nächste Stufe heben: Mit Lernen.cloud nutzen wir die Architektur der massenhaft erprobten MOOC-Lernplattformen des HPI (openHPI, openSAP, OpenWHO und mooc.house) und legen hier den Grundstein für einen zentralen Zugang zu zukünftigen Fortbildungsformaten.

Noch befindet sich die Plattform in der Konzept- sowie Aufbauphase und muss mit Leben gefüllt werden, ist aber bereits online. Für einen kleinen Vorgeschmack könnt ihr schon einen Blick in die bereits existierende Fortbildung zur HPI Schul-Cloud werfen.

📣 Auch interessant: Die Architektur der am HPI entwickelten MOOC-Lernplattformen geht in diesem Jahr Open-Source und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Transparenz und Nachhaltigkeit in der Webentwicklung 🎉.

Jetzt mitgestalten!

Gestalte selbst eine Fortbildung und teile sie mit anderen!

Manchmal kommen die besten Fortbildungen direkt aus dem Kollegium. Wenn ihr selbst Interesse daran habt, Fortbildungen auf Lernen.cloud zu gestalten, dann schreibt uns gerne eine Mail an ✉ info@lernen.cloud !