Zu Anfang reichten die technischen Voraussetzungen für die HPI Schul-Cloud kaum aus. Heute hat das Marie-Curie-Gymnasium in Ludwigsfelde Vorbildcharakter für andere Brandenburger Schulen. Schulleiter Volker Freitag erzählt wie es dazu kam.

Als eine der ersten Pilotschulen, testet das Marie-Curie-Gymnasium die HPI Schul-Cloud. Unter welchen Bedingungen sind Sie im Jahr 2017 gestartet?
Wir haben damals angefragt, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich zu bewerben. Ausgangspunkt war, dass die Schule über zwei Computerkabinette verfügte, mit dem herkömmlichen 16 Mbit/s Telekomanschluss, der war kostenfrei für Schulen. Das waren natürlich keine üppigen Voraussetzungen.

Wie ging es dann weiter?
Die grundsätzliche Frage war dann: Wie startet man? Zu Anfang hatten wir keine mobilen Geräte zur Verfügung für eine gesamte Klasse. Wir haben unter Nutzung der Computerräume mit zwei 9. Klassen mit den Fächern Mathematik und Geografie begonnen, wie es damals auch empfohlen wurde. Dabei zeigte sich, dass viele Funktionen eine positive Lernmotivation brachten. Es hat sich allerdings als negativ erwiesen, dass im Computerkabinett immer nur zwei Schüler, die nebeneinandersaßen, zusammenarbeiten konnten. Dabei war dann nur einer [in der HPI Schul-Cloud] angemeldet. Wenn Aufgaben verteilt oder eingesammelt worden sind, war eine Bearbeitung immer nur in einem Duo möglich.

Und wie sieht es heute aus?
Wir wissen jetzt, dass es notwendig ist, dass man einen leistungsfähigen Internetanschluss auch symmetrisch braucht, um die Uploads der Schüler und Schülerinnen zu sichern. Wir wissen, dass wir eine WLAN Ausleuchtung des Gebäudes brauchen und konnten dafür viel Verständnis beim Schulträger, dem Landkreis Teltow-Fläming erreichen, um eine Vermessung des gesamten Schulgebäudes realisieren zu können. Der Schulträger hat uns zugesichert auf einen 50 Mbit/s Anschluss erhöhen zu können. Das haben wir dann auch umgesetzt. Im Weiteren wurde ein zusätzlicher 200 Mbit/s Anschluss realisiert.

Was hat sich seit 2017 an Ihrer Schule noch verändert?
Wir haben dann versucht die nächste Stufe umzusetzen – mit einer Bewerbung bei medienfit_sek I im Land Brandenburg. Beide Testklassen sind jetzt ausgestattet mit mobilen Geräten. Wir haben mittlerweile alle Räume der Schule mit interaktiven Boards ausgestattet – und verfügen über einen weiteren Satz mobiler Geräte, der für eine Klasse nutzbar ist, wie ein fahrbares Computerkabinett.

Das Programm "medienfit_sek I" fördert Schulen mit einem innovativen pädagogischen Konzept. Hat sich die HPI Schul-Cloud bei dieser Bewerbung positiv ausgewirkt?
Wir hatten mit der Schul-Cloud sicher den Vorteil, dass wir den Medienentwicklungsplan schon in Grundzügen erstellt hatten. Für die Bewerbung für die Schul-Cloud war das eine Voraussetzung. Die Grundideen waren schon da – was wollen wir, wofür wollen wir das nutzen, welchen pädagogischen Sinn soll das alles haben? Das haben wir im Prinzip vertieft, mit dem Träger abgestimmt und das Nutzungskonzept weiter vervollständigt.

Wie viele Lehrkräfte arbeiten heute tatsächlich mit der HPI Schul-Cloud?
Ungefähr 20. Wir haben zwischenzeitlich zwei Fortbildungen mit dem MINT-EC und dem HPI für alle 45 Lehrkräfte unserer Schule durchgeführt. So konnten sich zumindest alle über die Grundideen und -funktionen ein Bild machen. Lehrkräfte haben den Wunsch, dass sie einen gewissen Vorsprung gegenüber Schülerinnen und Schülern haben, bevor sie die Schul-Cloud im Unterricht nutzen. Die meisten arbeiten damit zunächst demonstrativ, sofern keine mobilen Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse verfügbar sind.

Was ist denn mit eigenen Geräten von Schülerinnen und Schülern?
Die Arbeit ist sehr differenziert, wenn man mit eigenen Geräten der Schülerinnen und Schüler arbeitet: Die meisten haben Handys, wenige Tablets. Am Handy lässt sich ein Programm wie Geogebra in der Mathematik rein vom Bildausschnitt nicht so günstig nutzen. Wir glauben, dass ein größeres Anzeigegerät für die Nutzung der Schul-Cloud eine wichtige Voraussetzung ist.

Im neuen Schuljahr werden weitere 51 Schulen aus Brandenburg in der Schul-Cloud vernetzt. Was würden Sie den neuen Schulen raten?
Ich würde Lehrkräften raten, sich die Schul-Cloud zunächst für sich zu erschließen, um sie dann schrittweise in modularer Art und Weise mit Kindern zu testen. Entscheidend ist, dass die Lehrkräfte die Cloud für sich entdecken, als ein Arbeitsmaterial, welches für ihren Unterricht eine Bereicherung darstellt.

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Titelbildnachweis: Volker Freitag