Schule 2.0 - Studententeam der HPI School of Design Thinking auf den Spuren der digitalen Transformation an Deutschlands Schulen

Wie lernen wir in einer digitalisierten Welt? Welche Bedeutung hat die Digitalisierung an Schulen? Was funktioniert schon heute gut? Was sind die größten Hindernisse?

Seit Ende April wird das Kernteam der Schul-Cloud am HPI durch uns: Mara, Nico, Dominik, Matas, Till und Helena unterstützt. Wir sind ein internationales und multidisziplinäres studentisches Team der HPI School of Design Thinking und untersuchen die eingangs beschriebenen Fragen rund um das Thema „Schule der Zukunft“. Dabei nutzen wir Design Thinking, eine kreative Innovationsmethode, bei der die Bedürfnisse des Nutzers/der Nutzerin der zentrale Ausgangspunkt für die Entwicklung relevanter Lösungen sind. Für unsere Arbeit steht dabei vor allem die Perspektive der Lehrer/innen auf digitale Werkzeuge im Mittelpunkt. Im Zuge des iterativen Design Thinking Prozesses, in dem empathische Interviews eine wichtige Rolle spielen, besuchten wir mehrere Schul-Cloud-Pilotschulen des Nationalen Excellence-Netzwerks MINT-EC und sprachen direkt mit Lehrer/innen sowie Schüler/innen, um deren Schulalltag kennenzulernen und einen ersten Eindruck zu bekommen, wie die digitale Realität zum heutigen Zeitpunkt an Schulen in Deutschland aussieht. Doch schnell merkten wir, dass auch abseits der Schulen digitale Bildung ein heiß diskutiertes Thema ist. Also folgten wir zahlreichen Diskussionen über digitales Lernen auf der re:pulica-Konferenz im Mai 2017, versuchten die Sicht von Schulbuchverlagen auf die Digitalisierung zu verstehen und arbeiteten eng mit dem Team der Schul-Cloud und des MINT-EC zusammen.

Und was erfährt man so, wenn man die deutsche Schulrealität in Sachen digitale Bildung durchforstet?

Identität der Lehrer/innen in Zeiten der Digitalisierung

Wir tragen das gesamte Wissen unserer heutigen Welt in der Hosentasche. Durch mobile Endgeräte und smarte Anwendungen bleibt keine Frage unbeantwortet und Antworten können jederzeit mit Hilfe weniger Klicks gefunden werden. Was bedeutet das für die Identität der Lehrer/innen als zentrale Figur für die Verteilung von Wissen? Lehrer/innen stehen vor einer großen Herausforderung und müssen ihre neue Rolle in einer digitalisierten Welt finden, um dem wachsenden Druck von Schüler/innen, Eltern und der Gesellschaft gewachsen zu sein.

Mehr Zusammenarbeit statt Einzelkämpfertum

Wir leben in einer Gesellschaft der „Teilwut” - unzählige Selfies auf Instagram, politische Statements auf Twitter, Programmier-Skripte auf Github, Urlaubsfotos auf Facebook, Playlisten auf Spotify und Rezeptideen auf Blogs - das Internet „erzieht” uns zum Teilen. An deutschen Schulen jedoch beschreiben sich viele Lehrer/innen als „Einzelkämpfer/in”. Kollaboration vor allem bei der Materialentwicklung und der Unterrichtsplanung spielt an vielen Schulen keine große Rolle. Das mag zum einen daran liegen, dass die Vorbereitung von Lernmaterialien aufwändig ist und kaum jemand ohne Belohnung teilen möchte. Zum anderen allerdings auch an der intoleranten Fehlerkultur im Lehrerzimmer, bei dem Fehler nicht geduldet werden und somit Angst geschürt wird, eigene Ideen und neue Ansätze mit dem Kollegium zu teilen. Hinzu kommt, dass wie in vielen anderen Bereichen gilt: „ain’t no time for this”. Zeit ist auch im Lehreralltag knapp. Obgleich Lehrer/innen bereits viele Online-Materialien bei der Vorbereitung ihres Unterrichts nutzen und sie das Gefühl haben etwas „zurückgeben” zu wollen, finden sie bis dato keine einfachen Möglichkeiten, um die von ihnen entworfenen Materialien auch zu teilen.

Lehrer/innen sind schon online

Obwohl vor allem infrastrukturelle Herausforderungen, strenge Hierarchien und eingefahrene, langsame Prozesse den digitalen Fortschritt an Schulen erschweren, trafen wir auch auf viele engagierte Lehrer/innen, die sowohl eine 1* für die Zusammenstellung ihrer Unterrichtsmaterialien aus dem Internet erhalten sollten, als auch für das Experimentieren mit neuen Lehrkonzepten und der kreativen Anwendung innovativer, digital-gestützter Methoden im Klassenzimmer. Doch nicht nur die Neugier und das Engagement der Lehrer/innen führt zur Entwicklung neuer Ansätze, sondern auch der Mangel an aktuellen Lehrinhalten in traditionellen Schulmedien wie Lehrbüchern. Wenn Schüler/innen aus Büchern Englisch lernen, in denen Obama noch Präsident ist, dann ist das keine Protestaktion gegenüber dem aktuellen Präsidenten Donald Trump, sondern vielmehr das Ergebnis langer und starrer Entwicklungszyklen von Printlehrmaterialien, die in Zeiten der digitalen Schnelllebigkeit und Informationsflut nicht mehr zeitgemäß erscheinen.

Diese kleine Auswahl an Eindrücken, die wir bei unserer Reise durch die digitale Schullandschaft in Deutschland erhalten konnten, zeigt deutlich: Es stehen viele Veränderungen und großes Umdenken bevor. Bei all diesen Wandlungsprozessen und neuen Herausforderungen spielt es jedoch eine große Rolle, eine „Brücke“ zwischen modernen Lehrkonzepten und langjährig bewährten Schulmethoden zu bauen. Denn digital heißt nicht immer gut. Wir glauben ein offener Dialog und ein kollaborativer Ansatz ist unbedingt notwendig, um eine wertvolle Symbiose aus bewährten Schulmethoden und neuen digitalen Entwicklungen zu formen. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwerfen wir derzeit neue Ideen für die Weiterentwicklung der Schul-Cloud und freuen uns schon auf die Ergebnisse.

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