Gastbeitrag: So gelingt Digitale Bildung

Um noch mehr inhaltliche Vielfalt sowie unterschiedliche Perspektiven abzubilden und zur weiteren Diskussion anzuregen, besteht seit Kurzem die Möglichkeit über den Schul-Cloud-Blog einen Gastbeitrag zu veröffentlichen.*

Den Anfang macht Roman R. Rüdiger, Geschäftsführender Vorstand von EDUCATION Y sowie Ashoka Fellow und Vorsitzender des Bundesverbandes Innovativer Bildungsprogramme.

Education Y ist 2016 aus dem Verein BuddY e.V. hervorgegangen, der sich für eine veränderte Lernkultur einsetzt, die den Heranwachsenden mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt. Ashoka ist eine amerikanische Non-Profit-Organisation, die in ca. 70 Ländern Fellows, sprich Sozialunternehmer (aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen), sucht und fördert. Der Bundesverband Innovative Bildungsprogramme mit seinen 23 Mitgliedsorganisationen aus Schulen/schulnahen Bereichen setzt sich für Chancengerechtigkeit und Innovation im Bildungssystem ein.

So gelingt Digitale Bildung

Aus meiner Sicht sind drei Faktoren entscheidend für das Gelingen der „Digitalen Bildung“ an Schulen in Deutschland:

  • Es muss eine verlässliche Infrastruktur geben. Breitbandausstattung ist auch im Jahr 2017 noch keine Selbstverständlichkeit an deutschen Schulen! Darüber hinaus muss eine funktionierende Interoperabilität zwischen den eingesetzten Programmen und Schnittstellen gewährleistet sein.

  • Die Lehrerqualifizierung, sprich die Fähigkeit, mit sich ändernden Lernprozessen umzugehen, die eigene Rolle zu verändern und kompetenzorientierten Unterricht anzubieten, muss Schritt halten mit der technischen Weiterentwicklung. Stichwort: Computer/Information Literacy (CIL) für Lehrer/innen.

  • Der innere Schulentwicklungsprozess (moderne Unterrichtsentwicklung etc.) muss gefördert werden. Der Begriff Schulentwicklung umfasst dabei die gesamte Weiterentwicklung der Schule als Institution mit ihren Akteuren, Prozessen und Konzepten. Ziel ist die systematische Verbesserung der Bildungsprozesse für alle Schüler/innen und die Weiterentwicklung der Unterrichtsqualität im Hinblick auf eine sich verändernde Gesellschaft.

Damit diese drei Rahmenbedingungen gelingen können, braucht es viel Zeit. Der Schulentwicklungsprozess ist nach meiner Wahrnehmung noch nicht in den Fokus der fachlichen Debatte gerückt.

Innere und äußere Schulentwicklungsprozesse

Mit dem „inneren Schulentwicklungsprozess“ meine ich den individuellen (in jeder Schule unterschiedlichen) Innovationsprozess. Mit dem „äußeren Schulentwicklungsprozess“ sind Rahmenbedingungen und Ziele der zuständigen Bildungsbehörden gemeint. Daneben gibt es übergreifende, politische bzw. gesellschaftliche Entwicklungen, die den äußeren Schulentwicklungsprozess zusätzlich befördern bzw. vor neue Aufgaben stellen. Damit meine ich die G8/G9-Umstellung, die Inklusion sowie die Integration von Geflüchteten.

In Schulevaluationen können wir feststellen, welche Schulleitungen diese äußeren Entwicklungsanlässe als Erweiterung ihres Angebots verstehen und für sich aktiv nutzbar machen und welche sich in diesen aufgetragenen Zwängen „verhaken“, weil die Definition von neuen Prozessen und verbesserten Kommunikationsstrukturen nicht Schritt hält mit den täglichen Anforderungen.

Interventionsangebot Pacemaker

Gemeinsam mit Teach First Deutschland und Wikimedia hat Roman R. Rüdiger das Schulentwicklungsprogramm „PACEMAKER – Schrittmacher
für Schulen im digitalen Zeitalter“ gestartet: Mit dem Interventionsprogramm Pacemaker bieten wir eine Qualifizierung des Lehrer/innen-Kollegiums ohne Unterrichtsausfall an, quasi als „training on the job“ in einer digitalen Unterrichtswerkstatt mit erfahrenen Lehrkräften. Die Schüler/innen bringen ihre eigenen Geräte mit (Bring Your Own Device), zusätzlich benötigte Geräte werden zur Verfügung gestellt.

Möchten auch Sie einen Gastbeitrag im Schul-Cloud-Blog veröffentlichen? Kontaktieren Sie uns gern per Email unter: schul-cloud@hpi.de.

*Kommentare und Erläuterungen der Blog-Redaktion sind kursiv gesetzt.

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