Einblicke in die Praxis der Pilotschulen: Wilhelm-Hittorf-Gymnasium in Münster

Alle Interessen unter einen Hut bringen

Mit dem Beitrag von Frau Riethmüller endet die Interviewreihe zu den Einblicken in die Praxis der Pilotschulen vorläufig. Herzlichen Dank an alle Interviewpartner für den offenen Austausch und ihr Engagement. Wir greifen den Erfahrungsaustausch wieder auf, wenn in der nächster Projektphase die Ausweitung von 27 Pilotschulen auf bis zu 300 MINT-EC Schulen erfolgt. In der Zwischenzeit freuen wir uns über ihre Rückmeldungen!

Bildnachweis: Wilhelm-Hittorf-Gymnasium Münster

Katharina Riethmüller ist als Mitglied der erweiterten Schulleitung für die Bereiche MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) und Gesundheit zuständig. Das Wilhelm Hittorf Gymnasium in Münster hat nach 2011 und 2014 im Dezember 2017 zum dritten Mal die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“ erhalten. Seit 2008 ist es aufgrund seines breiten Sprachenangebots und seiner inhaltlichen Vertiefung im Bereich der europäischen Geschichte „Europaschule“.

Was ist Ihre Aufgabe an der Schule, Frau Riethmüller?

Ich unterrichte die Fächer Chemie und Mathematik, bin Koordinatorin für den MINT- Bereich und kümmere mich um das Thema „Gesunde Schule“. Diese beiden Themengebiete haben mehr Überschneidungen als man zunächst denken mag. So haben wir zum Beispiel 2015 den Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule“ der Unfallkasse NRW erhalten, weil wir uns als Schule in sehr vielen Richtungen engagieren und weiterentwickeln. Als Referenzschule für Flüchtlinge betreiben wir beispielsweise mit Unterstützung der Siemens-Stiftung ein naturwissenschaftliches Schülerlabor, das besonders auf die Bedürfnisse von geflüchteten Schülerinnen und Schülern ausgerichtet ist. Als MINT-Koordinatorin bin ich mitverantwortlich für die Erprobung der Schul-Cloud an unserer Schule, die natürlich keineswegs ausschließlich in den MINT-Fächern, sondern in allen Fachbereichen genutzt werden soll. Ich versuche neben dem pädagogischen Mehrwert auch „gesunde“ Aspekte einer Nutzung der Schul-Cloud herauszuarbeiten.

Wie sieht der Stand der Umsetzung (Schul-Cloud-Nutzung) derzeit aus?

Wir befinden uns in diesem Schuljahr (erstes Halbjahr bis Ende Januar 2018) in der Testphase mit den 9. Klassen. Diesen wird W-LAN demnächst zur Verfügung stehen. Wir haben Schul-Laptops, die wir bereit stellen. In Zukunft soll aber auch das eigene Smartphone genutzt werden dürfen. Die Schule verfügt über eine gute medientechnische Ausstattung mit Projektoren und Dokumentenkameras in allen Fachräumen, drei speziellen Rechnerräumen mit je 16 Computer-Arbeitsplätzen sowie zahlreichen Notebooks und mobilen Einheiten, die den Zugang zum Internet in allen Unterrichtsräumen ermöglichen.
Es gibt eine fachliche Gruppe „IT-Konzeption“, die sich um die technischen Fragestellungen kümmert. Parallel dazu arbeiten einige Kollegen* in einer Arbeitsgruppe zum Thema „Unterrichtsentwicklung – digital“. Die beiden Gruppen tauschen sich aus und versuchen so die Erprobungsphase in den Klassen 9 möglichst effizient zu gestalten.
Das Schulgebäude hat eine Breitbandausstattung erhalten und verfügt über ausreichend Access Points in allen Gebäudeteilen. Bei der IT-Konzeption müssen neben der Schule selbst die Interessen des Schulträgers und des Bundeslandes Berücksichtigung finden, was die Ausstattung mit Personal und die Finanzen angeht. Die unterschiedlichen Schwerpunkte und Geschwindigkeiten in Einklang zu bringen, ist keine einfache Aufgabe.

Wie stehen das Kollegium und der Schulträger zu dem Projekt?

Ca. 40 von 80 Kolleginnen und Kollegen zeigten sich spontan interessiert an der Projektgestaltung. Die Gesamtheit des Kollegiums wollen wir über die Prinzipien Freiwilligkeit und Geduld erreichen. Ganz entscheidend für eine gelingende Annahme sind aus unserer Sicht der pädagogische Mehrwert, aber auch die Nutzungsqualitäten und die fachliche Erleichterung.
Bei einem pädagogischen Studientag Ende Juni 2018 werden wir versuchen, mit dem gesamten Kollegium in einen Austausch zu treten - über Wünsche und Ziele im Hinblick auf die Digitalisierung und die weitere Nutzung der Schul-Cloud. Qualifizierung bei der Nutzung digitaler Inhalte ist das Schlüsselwort, um das Entstehen bzw. die Fortentwicklung von Parallelwelten zu vermeiden. Wir möchten mit den Schülerinnen und Schülern zeigen, dass die Nutzung der digitalen Möglichkeiten Spaß macht und eine neue Ansprache ermöglicht.

*Ein sprachlicher Hinweis der Redaktion: Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint; aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet.

Während einer Workshop-Pause „Design Thinking“ am 18.12.2017 hatten Frau Riethmüller und Caroline Meynen, freie Journalistin, wenige Minuten Zeit, sich über den Stand der Umsetzung am Hittorf-Gymnasium in Münster auszutauschen. Schulleiter Christian Schrand ergänzte aus seiner Perspektive.

Das Interview führte Caroline Meynen, freie Journalistin
Bildnachweis Blog-Foto: HPI/K. Herschelmann