Einblicke in die Praxis der Pilotschulen: Gymnasium Marianum in Meppen

Los geht’s!

Die folgenden, zum Teil während des Tagesworkshops „Design Thinking“ am 18.12.2017 am HPI in Potsdam entstandenen Interviews und Erfahrungsberichte spiegeln den Stand der Umsetzung wider und geben praktische Rückmeldungen aus Schulen in verschiedenen Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Berlin und NRW). Sie erscheinen im wöchentlichen Abstand bis Mitte Februar 2018.

Bildnachweis: Marianum Meppen

Franz Albers, 46, Vater von vier schulpflichtigen Kindern, unterrichtet Chemie, Erdkunde und Pädagogik am Gymnasium Marianum im niedersächsischen Meppen, einer der zur Zeit 27 Schul-Cloud-Pilotschulen. Er berichtet aus seiner Perspektive als Lehrer und Koordinator für Medienerziehung an einer katholischen Privatschule mit 1.200 Schülerinnen und Schülern im Emsland.

Franz Albers berichtet aus seiner Perspektive als Lehrer und Koordinator für Medienerziehung am Gymnasium Marianum in Meppen:

Wir starten zum zweiten Halbjahr im Januar 2018 mit der Einführung digitaler Lernbegleiter in der Jahrgangsstufe 7. Wir haben uns für die Nutzung heterogener, elternfinanzierter Tablets (BYOD – Bring Your Own Device) entschieden. Es geht darum, über einen Grundstock an universalen Apps zu verfügen, mit denen intuitives, gemeinsames und auch kollaboratives Arbeiten möglich ist. Doch ist die technische Seite von untergeordneter Bedeutung: im Vordergrund steht die Steigerung der Qualität von Schule und Unterricht. Methodisch erweitern die Lernbegleiter die Möglichkeiten zur Individualisierung und Binnendifferenzierung von Unterricht.

Schulischer Entwicklungsprozess

Für unser Kollegium bieten wir Fortbildungen an und setzen auf Freiwilligkeit bei der Umsetzung. Dabei treffen wir auf viel Zustimmung. In Mathematik in der Jahrgangsstufe 7 wird geprüft, ob auf den bisherigen Einsatz der Taschenrechner verzichtet werden kann, stattdessen kommt die universale App GeoGebra zur Anwendung, deren Einsatz durch den „Prüfungsmodus“ nun auch in Klassenarbeiten möglich ist.
Für die Schülerinnen und Schüler steht am Gymnasium Marianum in Klasse 5 seit 2015 ITG (Informationstechnische Grundbildung) mit einer Wochenstunde auf dem Stundenplan. Hier nutzen wir Tablet-Koffer und haben ein eigenes Curriculum entwickelt, mit dem wir bei den Schülerinnen und Schülern die notwendige Basis für digital gestütztes Arbeiten schaffen. Während der Einführungsphase der digitalen Lernbegleiter in der Jahrgangsstufe 7 stehen auch ältere Mitschüler* als „Tabletscouts“ den Siebtklässlern bei Problemen helfend zur Seite.

Das Heft als Leitmedium im digitalen Transformationsprozess

Auf die Sorgen um den Verlust der Kulturtechniken des Lesens und Schreibens antworten wir ganz klar: Das Heft ist und bleibt unser Leitmedium, wir werden weiterhin auch mit der Hand schreiben. Aus meiner Sicht ist der digitale Transformationsprozess aber nicht mehr aufzuhalten. Die Medienkompetenz ist als vierte Kulturtechnik anzusehen, die zu fördern Aufgabe von Schule ist. Ich halte daher die Entwicklung der Schul-Cloud als bundesweites Gemeinschaftsprojekt von HPI und MINT-EC für ein Vorhaben mit enormem Potenzial. Das Hasso Plattner-Institut bündelt das dafür notwendige Know-How, programmiert agil und reagiert schnell auf die Rückmeldungen der Lehrer, die über Feedbacksysteme und bei den regelmäßigen Treffen mit dem Team der Schul-Cloud gegeben werden. Die Erwartungen an das Projekt sind sehr hoch, viele gute Ideen warten auf ihre Umsetzung.
Schon jetzt verfügen wir in Meppen mit IServ über ein gutes Serversystem, das schulweit die Kommunikation, das Geräte- und Dateimanagement übernimmt. Unsere technische Ausstattung ist insgesamt recht gut. Bedarf besteht im Bereich der konkreten Durchführung digital gestützten Lernens. Es gibt bereits viele Programme und Portale, die hier Unterstützung bieten wie beispielsweise OneNote oder Moodle. Jedoch sind diese Lösungen in der Regel wenig intuitiv, seitens der Lehrer gibt es große Berührungsängste. Wenn wir mit der Schul-Cloud ein von Schülern wie Lehrkräften einfach und intuitiv nutzbares Lern-Management-System hinbekommen, das weniger gut ausgestattete Schulen auch in den Bereichen Kommunikation und Dateimanagement unterstützt, kann hier eine Lücke geschlossen werden. Ich kann dann Unterrichtsphasen vorstrukturieren, Aufgaben und Materialien einstellen. Die Lernenden geben ihre Lösungen digital zurück und erhalten Feedback. So erhalte ich schnell einen Überblick über den Lernstand meiner Schülerinnen und Schüler um gegebenenfalls auch individuelle Lernpfade anzubieten. Weitere Vorteile: Schüler können im Krankheitsfall auch bei längerer Abwesenheit dem Unterrichtsgeschehen folgen und am Ende eines Schuljahres steht neben dem analogen Heft ein digitales Portfolio der Unterrichtinhalte zur Verfügung.

Herausforderungen auf dem Weg

Die Arbeit auf analoger und digitaler Ebene verbinden zu lernen stellt einen hohen Anspruch an die Medienkompetenz dar. Neben das analoge Heft, dessen angemessene Führung schon oft ein Problem darstellt, tritt nun zunehmend die digitale Ebene. Wie lässt sich die analog im Heft notierte Lösung später noch einer Aufgabe zuordnen, die in der Schul-Cloud gestellt wurde? Wie und wo lässt sich das dazu im Unterricht erstellte Video wiederfinden? Solche beispielhaften Fragestellungen begleiten die digitale Lernumgebung und die Entwicklung der Schul-Cloud - hierzu brauchbare Lösungsvorschläge zu entwickeln ist Aufgabe des HPI. Diese alltäglichen Probleme zu beschreiben und Lösungswünsche zu visualisieren ist die spannende Herausforderung, der wir uns regelmäßig auf den AG-Treffen der Schul-Cloud stellen, wenn ein Team aus Pilotschullehrkräften sowie VertreterInnen von HPI und MINT-EC einen Tag lang die Köpfe zusammensteckt und diskutiert. Bezüglich der Heftführung könnten vielleicht QR-Codes helfen. Die drängenden Fragen der technischen Ausstattung an den Schulen und der Einbindung digitalen Lernens in den Schulalltag, der fehlenden Fortbildungsangebote etc. sind noch offene Themen – nicht alles wird die Schul-Cloud richten, aber sie kann ein wesentlicher Baustein sein auf dem Weg der digitalen Transformation.

*Ein sprachlicher Hinweis der Redaktion: Es sind stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint; aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird an dieser Stelle nur die männliche Form verwendet.

Weitere Informationen zu Franz Albers können auf seinem Blog und seinem Twitter Account eingesehen werden.

Logo: Marianum Meppen

Autor: Frank Albers
Redaktion: Caroline Meynen, freie Journalistin
Bildnachweis Blog-Foto: HPI/K. Herschelmann

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